Schwarze Kunst in Leipzig

Zu Pfingsten in Leipzig, da ist viel Schwarzes zu sehen. Aber ich wollte nicht zum [Wave-Gotik-Treffen](http://de.wikipedia.org/wiki/Wave-Gotik-Treffen), wenngleich die Teilnehmer dieses Treffens die Innenstadt spürbar bevölkerten. Mir ging es um die [Schwarze Kunst](http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarze_Kunst) im handwerklichen Sinne, ich besuchte das [Museum für Druckkunst](http://www.druckkunst-museum.de).

Museum für Druckkunst Leipzig

Die anmuthige Gelehrsamkeit
Wer auch nur am Rande an Büchern und ihrer Herstellung interessiert ist, dem sei dieses Museum empfohlen. Im Rahmen einer Sonderausstellung zur 1000sten Wiederkehr der ersten urkundlichen Erwähnung Leipzigs gab es eine sehr schöne Druckwerke aus der frühen Jahrhunderten, d.h. von 1485 an zu sehen. Dort konnte ich auch lernen, dass Gelehrsamkeit auch „anmuthig“ sein kann.

Auf mehreren Stockwerken gibt es dann Druckmaschinen verschiedenster Generationen zu bewundern, bereitwillig werden die Zusammenhänge und wirtschaftlichen Gründe die für Zwei-Touren- und Ein-Touren-Maschinen sprechen erläutert. Ja, die Maschinen werden auch eingeschaltet.

Und im Kreise überwiegend schwarzgewandeter Besucher erfährt man hier recht viel.

Mich hat insbesondere die Abteilung zum Notenstich und Notensatz interessiert, hier wurden über die Jahrhunderte die verschiedensten Techniken ausprobiert. Alles Dinge, die auch von Computer-Satzprogrammen immer noch nicht vollständig automatisch perfekt umgesetzt werden können.

An die Schriftgießerei (Motto der Schriftgießer s. u.) und die noch bis vor wenigen Jahrzehnten aktuellen Monotype- (1890 erfunden!) und Linotype-Satzmaschinen schließen sich Ausstellungsgegenstände zum Fotosatz mit skalierbaren Schriften an (Diatype, Staromat, Letterphot). Die Skalierung wurde hierbei mechanisch erreicht und von den 1950ern an bis in die 1980er Jahre vervollkommnet. Jetzt glaubte man nach 500 Jahren den Bleisatz los zu sein, da kam plötzlich Desktop Publishing (DTP). Adobe, Aldus, Apple & Linotype formten die Allianz, die ab 1985 den digitalen Satz mit Vektorschriften auf den Markt brachte, jetzt auch schon wieder für 30 Jahre. Steht folglich schon wieder die nächste Technologie vor der Tür?

Von Linotronic zu Apple Macintosh
Als ich Anfang der 1990er Jahre in den Satzbereich meiner Druckerei kam, fand ich fast genau den im Museum ausgestellten Gerätepark vor. Halt, ich hatte nur einen Mac SE, in der Druckerei stand ein Mac II, oder…

Wer sich in Leipzig aufhält, dem empfehle ich den Weg in die Nonnenstraße 38, der Eintritt ist gut investiert, da bleibt noch Budget für den Museums-Shop.

Leitsatz für Schriftgießer in Wilhelm-Klingspor